Den Kreis gerade legen
„Hernach so einer ein gerunden risz scheitreicht machen wil“: So beginnt das Werkstattbüchlein Geometria deutsch, Mathes Roriczer zugeschrieben, einen Kreis gerade auszulegen. Man zeichnet drei gleiche Kreise nebeneinander auf eine Linie und teilt den ersten Durchmesser in sieben gleiche Teile. Einen Teil trägt man hinter dem ersten Kreis ab: Von dort bis an die äußere Seite des dritten, sagt das Büchlein, ist es so lang wie das Rund eines Kreises. Das sind drei Durchmesser und ein Siebtel, die Schranke, unter der das Rund nach dem Beweis des Archimedes bleibt; darum ist die Linie 0,040 Prozent zu lang. Zirkel und Lineal können sich ihm nur nähern: Lindemann bewies 1882, dass sie das Rund eines Kreises nicht genau gerade legen können. Wie in sieben zu teilen ist, sagt das Büchlein nicht. Hier tragen zwei parallele Strahlen eine Öffnung, nach Augenmaß gewählt, sechsmal ab, und die Linien, die sie verbinden, teilen den Durchmesser in Siebtel.
Quellen
- Geometria deutsch, Mathes Roriczer zugeschrieben, um 1488
- Archimedes, Kreismessung, Satz 3
- Ferdinand Lindemann, Mathematische Annalen 20, 1882