Labyrinth mit sieben Umgängen
Das klassische Labyrinth ist ein einziger Weg durch sieben Umgänge, ohne Abzweig bis zur Mitte. Tony Phillips nennt die Art, es zu zeichnen, „eine Art planvolles Gekritzel“: „Beginne mit einem Kreuz, vier Winkeln und vier Punkten“, dann „verbinde die Enden der Figur durch Bögen, zuerst ein mittleres Paar und dann immer die nächsten zwei Enden, eines von jeder Seite“. Die Figur ist weit älter als die Kirchen. Nach Hermann Kern beschreibt Phillips eine Tontafel aus dem Palast des Königs Nestor in Pylos, „gehärtet in dem Feuer, das den Palast um 1200 v. Chr. zerstörte“, mit dem Labyrinth auf ihrer Rückseite eingeritzt; die Ritzung lässt vermuten, dass es „aus seiner Grundfigur gezeichnet wurde“, nur sind die Bögen dort „eckig statt rund“. Kern findet die Figur als Zeichen des Labyrinths auf Münzen schon um 430 v. Chr. Di Williams schreibt, gegen Ende des neunten Jahrhunderts habe ein Mönch namens Otfrid „das klassische Muster mit sieben Umgängen genommen und vier Umgänge hinzugefügt“, und seine Zeichnung sei das Vorbild für die Labyrinthe der Kirchen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts geworden. Das berühmteste von ihnen, in Chartres, wurde um 1201 im Langhaus verlegt und liegt dort noch. Hier sind die Bögen mit dem Zirkel gezogen, und die Figur ist exakt. Die Grundfigur steht auf einem Quadrat von vier Einheiten. Eine Vesica auf dem Stamm des Kreuzes gibt seinen Arm, der Kreis durch die Enden des Stamms gibt die Länge des Arms, und Bögen mit dieser Öffnung setzen die Punkte in die Ecken; Vesicas auf den Seiten geben die Winkel. Jedes Ende der Grundfigur liegt auf dem Rand des Quadrats, sechzehn im Ganzen. Jeder Bogen überquert die Oberseite als Halbkreis um einen einzigen Einstich, mitten zwischen dem Kopf des Kreuzes und dem Ende daneben, und läuft die Seiten als Viertelkreise um die oberen Punkte hinab; die beiden äußersten wenden sich um die unteren Punkte unter der Grundfigur hindurch. Vom Eingang aus nimmt der Weg die Umgänge in der Folge drei, zwei, eins, vier, sieben, sechs, fünf, von außen gezählt, und endet in der Mitte neben dem Kreuz.
Quellen
- Tony Phillips, Drawing the Cretan maze as a game, Through Mazes to Mathematics, Stony Brook University, nach Hermann Kern, Labyrinthe, 1983
- Hermann Kern, Through the Labyrinth, 2000, S. 54, zitiert in Wikipedia (englisch), Labyrinth
- Di Williams, Labyrinth: Landscape of the Soul, Auszug der University of Edinburgh