Dreischneuß
Die Form heißt Fischblase oder Schneuß, englisch mouchette: an einem Ende rund, am anderen spitz auslaufend. Zwei, drei oder mehr drehen sich zusammen in einem Kreis, am häufigsten im Maßwerk der Spätgotik. John Henry Parker schrieb 1881, das englische Perpendicular erkenne man an den senkrechten Linien seines Maßwerks, während diese Linien in allen Stilen des Auslands wie Flammen fließen, „und darum nennt man sie Flamboyant“. Die Überlieferung gibt die Form, nicht ihre Konstruktion; die Konstruktion hier ist darum unsere eigene, und sie ist exakt. Der Zirkel geht mit seiner eigenen Öffnung um den Rand, und jede zweite Marke steht ein Drittel des Umlaufs von der nächsten. Die Sehne zwischen den beiden Marken neben der ersten halbiert deren Halbmesser, und der Kreis um die Mitte durch diese Hälfte schneidet die beiden anderen Halbmesser. Um jeden der drei so gefundenen Punkte geht ein Kreis mit dem halben Halbmesser durch die Mitte und berührt den Rand. Jede Fischblase ist einer dieser Kreise mit dem Raum, der zwischen ihm, dem nächsten Kreis und dem Rand bleibt; ihr Schwanz läuft dort aus, wo der nächste Kreis den Rand berührt. Wo der Kreis mit dem halben Halbmesser um die Mitte den ersten der drei schneidet, halbiert die Linie durch die beiden Schnittpunkte diesen Halbmesser noch einmal, und mit dem so gefundenen Viertel steht in jedem Kopf ein Ring, ein Auge. Die drei sind gleich, jede ein Drittel des Fensters.
Quellen
- Hans Koepf und Günther Binding, Bildwörterbuch der Architektur, 2005, S. 420
- John Henry Parker, A B C of Gothic Architecture, 1881, S. 3